Homeoffice ist Marathon – kein Sprint

Als Geschäftsstellenleiterin der EVG Geschäftsstelle Saarbrücken galt es zunächst dafür Sorge zu tragen, dass die Technik der Kolleginnen funktioniert und vor allem, dass die Information über die vorläufige Dauer der Schließung schnellstmöglich unseren Mitgliedern mitgeteilt wird. Bis auf einige wenige Ausnahmen bedankten sich unsere Mitglieder, dass wir ihnen auch in dieser Zeit mit Rat und Tat zur Seite stehen. Die Vorstellung, dass man zuhause den Esszimmertisch zum Schreibtisch umfunktioniert, konzentriert und effektiv arbeitet scheint bei manch einem immer noch in die Sciencefiction-Abteilung zu gehören. Leider ist die vorherrschende Meinung immer noch die, dass Homeoffice gleich Urlaub ist. Zumindest VOR Corona…

Natürlich habe ich auch schon in „coronafreien“ Zeiten ab und an mal im Homeoffice gearbeitet, aber das lässt sich nicht ansatzweise mit der aktuellen Situation vergleichen. Die Ereignisse hatten sich in den ersten 14 Tagen derart überschlagen, so dass neben dem zu bewältigendem „Alltagsgeschäft“ unzählige Anfragen telefonisch, per E-Mail, WhatsApp oder Facebook an uns gerichtet worden sind. Man spürte die Unsicherheit der Kollegen*innen vor Ort. Was ist mit meinen Zulagen? Muss ich jetzt 12-Stunden-Schichten arbeiten? Darf mir der Arbeitgeber Urlaub eintragen? Was passiert mit meinen Mehrarbeitsstunden? Stellt das Nichtdurchführen von Betriebsversammlungen eine Amtspflichtverletzung dar? Welche Berufsgruppe ist systemrelevant? Ist die Mitbestimmung sichergestellt? Und wer betreut meine Kinder, während der KiTa- und Schulschließung? Nun könnte man behaupten, dass ich in der luxuriösen Situation bin, dass ich GLEICHZEITIG arbeiten, der Teenietochter regelmäßig die Ausgangsbeschränkung erklären und meinen 5-jährigen Sohn bei Laune halten kann. Man mutiert zu einer Art Fräuleinwunder der Mutterschaft. Während unzähligen Telefonschaltkonferenzen und anderen Telefonaten redet man nebenher pädagogisch korrekt in ganzen Sätzen mit dem Kind und versucht es davon abzuhalten die Fenster mit der Milchschnitte zu putzen. Dabei blendet man selbstverständlich die Rap-Musik von 100 Dezibel aus dem Teeniezimmer komplett aus. Mein Mann scheint wie vom Erdboden verschluckt, aber ist eigentlich ganz leicht zu finden: Fern des Haushalts und der Kinderbetreuung. Er muss ja immerhin arbeiten.

Spaß beiseite:
Den Herausforderungen, denen wir uns zurzeit stellen müssen, sind enorm. Natürlich kann man vieles über den digitalen Weg bearbeiten, aber der persönliche Kontakt zum Mitglied und zu unseren Funktionären fehlt schon sehr. Das Absagen unserer Sitzungen, Seminare und auch den geplanten Festen ist mir schwergefallen. Auch das Bewerben der Personalratswahlen musste ganz neu gedacht werden. Keine Veranstaltungen, kein persönlicher Wahlaufruf auf Personalversammlungen und kein Verteilen von Flyern.

Und nun komm ich eigentlich zum schönen Teil: In dieser Zeit habe ich festgestellt, wie hervorragend „mein“ Netzwerk vor Ort funktioniert. Wir haben erstklassige Gewerkschaftsfunktionäre*innen und ebenso großartige EVG-Mandatsträger*innen in den Mitbestimmungsgremien. Das Engagement der Kollegen*innen ist grandios und ich bin mir sicher, dass uns diese außergewöhnliche Situation stärker gemacht hat und stärker machen wird.
„Wir leben Gemeinschaft“ ist kein Etikett, sondern unser Credo.

Glückauf und bleibt gesund

8 Antworten auf „Homeoffice ist Marathon – kein Sprint“

  1. Danke, liebe Denise für den Einblick und für Deine Grossartige Leistung die du und deine Mitarbeiterinnen täglich leistet in dieser schweren Zeit.Vielen lieben Dank an euch und bleibt mir alle gesund

  2. Danke an alle es ist für uns alle ,ob jetzt im privaten Bereich oder im Beuflichem eine Herausforderung, Ich hoffe das wir und alleine Menschen die uns wichtig sind, gesund durch diese Zeit kommen.

  3. Hallo Denise,
    treffend geschrieben.
    Wir Frauen sind belastbar und können (müssen) mehrere Aktivitäten zusammen koordinieren.
    Ich glaube es ist nun fast 20 Jahre her, da habe ich schon behauptet, dass wir Frauen angeborene Managergene besitzen.
    Wir können mit Weitblick verschiedene Projekte und Menschen koordinieren und behalten den Überblick. Einen Test im Assessment-Center brauchen wir nicht.
    Damit jetzt kein Aufschrei der Kollegen kommt:
    Manche Männer haben dieses Gen auch
    Liebe Denise, herzliche Grüße, bleib gesund.
    Die Hotline zu dir und der Geschäftsstelle steht mit und ohne Corona.

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