Fluch und Segen

Ich habe großen Respekt vor allen Kollegen*innen, die an der Front arbeiten und täglich im direkten Kontakt mit unseren Kunden sind. Jede/r von ihnen wird auch Sorgen und Ängste haben, doch es ist die tägliche Aufgabe. Nicht alle Arbeitnehmer*innen haben in dieser Zeit das Glück arbeiten zu dürfen oder zu können. Ich gehöre zu den Glücklichen, die im Backoffice tätig ist und trotz aller „Freiheiten“ auch Home Office machen zu dürfen, zieht es mich aufgrund geringen und komfortablen Fahrtweges täglich ins Büro. Denn hier sind noch vereinzelt Kollegen*innen, mit denen ich mit gebührendem Abstand, noch persönlich sprechen kann. Digitalisierung ersetzt keine direkten Kontakte. In den eigenen vier Wänden den Laptop zu starten und berufliche Dinge zu erledigen, ist nicht meine Welt. In meinen Augen kann keine Telko oder Viko den Direktkontakt ersetzen. Zu sehen, wie Führungskräfte derzeit bemüht sind, für das Wohl ihrer Mitarbeiter*innen zu sorgen, berührt mich. Es wird dafür gesorgt, dass Desinfektionsmittel und Schutzmasken vorhanden sind. Wie schwierig das ist, trotz aller Bemühungen, ist nicht leicht zu ertragen, denn es geht um uns alle und unsere Kunden. Es rücken Berufsgruppen wie z.B. Reinigungskräfte in den Fokus, die sonst, auch in unserem Unternehmen, eher zur Randgruppe gehören. Man besinnt sich neben all den Zahlen und Statistiken einmal wieder auf das DANKE-Sagen und dass Gesundheit wichtiger ist als alles andere. Die Absage aller Präsensveranstaltungen bis September 2020 ist das richtige Zeichen auch wenn es mir persönlich weh tut, wieder keine Schulungen besuchen zu dürfen und beruflich weiterhin auf der Stelle zu treten. Ich fürchte, Treffen mit bahninternen Gruppen, geplante Veranstalten im Unternehmen, und private Vergnügen mit lieben Menschen wird in diesem Jahr lange nicht möglich sein.

Dass wir uns bei allen Vorsichtsmaßnahmen noch an der frischen Luft bewegen dürfen und draußen in der Sonne ein Eis essen dürfen, ist ein Geschenk, dass wir zu schätzen wissen sollten. Mir persönlich fehlen besonders Theaterbesuche, mich spontan in ein Cafè setzen zu können, meiner ehrenamtlichen Tätigkeit nachgehen zu können sowie Familie und Freunde treffen zu dürfen. Ein Osterfest ohne Familie hat schon weh getan. Die Schließung der meisten Geschäfte hingegen zeigt, was wir wirklich brauchen und dass man den Konsum auch gut einschränken kann. Geschlossene Hotels und die Reisebeschränkungen lassen uns mal wieder die Schönheit der eigene Stadt entdecken.

Ich fürchte, in den nächsten Monaten werden wir alle unsere Mitmenschen noch als potentielle Gefahr ansehen und den Abstand bewahren, aber ich hoffe, dass wir in einigen Monaten wieder offener und vertrauensvoller miteinander umgehen können und dürfen.

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