Urlaub am Geburtstag

Corona ist in den letzten Wochen mehr oder weniger an mir vorbei gegangen. Als Lokführer im Güterverkehr hat sich nicht wesentlich etwas geändert. Klar, für die Autoindustrie fahren wir viel weniger, dafür für andere Industriezweige mehr. Sogar die Sonderbereitschaften haben üblicherweise etwas zu tun. Nur die Gastfahrten, die waren in meist leeren Zügen.
Seit drei Tagen habe ich meinen ersten Urlaub für dieses Jahr. Ursprünglich hatten meine Familie und ich vor, eine Reise mit der Bahn und dem Schiff nach Korsika zu machen. Wir haben aber keine Verbindung gefunden, die wir mit unserem 2 1/4 Jahre alten Sohn hätten machen können. Also haben wir das auf das nächste Jahr geschoben. Gut, wie sich jetzt herausstellt. Denn Korsika wäre aktuell nicht drin gewesen. Nun ja, nächsten Mittwoch habe ich Geburtstag. Dürfte recht einsam werden. Immerhin: Es bleibt viel Zeit, um bei der Renovierung unseres alten Hauses voran zu kommen. Demnächst dürfte aber das Arbeitsmaterial aufgebraucht sein und ich scheue mich davor, in einen der überfüllten Baumärkte fahren zu müssen, um dort in der Schlange zu stehen, zumal ich keinen driftigen Grund habe. Und im Internet bestellen? Nun, die bei der Post haben aktuell schon genug zu tun, da müssen die nicht noch schwere Säcke für mich schleppen, wo es echt nicht nötig ist. Ich weiß ja, was das heißt, habe selbst mal dort gearbeitet.
Immerhin ist das Wetter schön. Also nutze ich die Zeit, um mit meinem Kleinen mit dem Rad unterwegs zu sein. Das macht ihm Spaß. Mir tut es auch gut. Und meine Frau hat in der Zeit ihre Ruhe.
Liebes Tagebuch, ich fürchte, dass wir uns noch auf einige Wochen Entbehrungen einstellen müssen. Immerhin bin ich mir bei meinem Job recht sicher. Meine Frau braucht sich im Öffentlichen Dienst wohl auch keine Sorgen zu machen. Aber in der Nachbarschaft sind Kurzarbeit, vielleicht gar Entlassungen und Krise Themen, die Sorgen machen. Und je älter die Leute sind, desto größer sind sie. Eine Rückkehr zu weitgehender Normalität erwarte ich erst Anfang nächsten Jahres. Ich hoffe, dass wir das alle gut meistern. Ich bin mir sicher: Wir werden ganz neue Formen der Solidarität und der Nächstenliebe finden müssen. Da bin ich froh, Teil der Eisenbahner:innen-Familie zu sein. Die gibt mir Zuversicht und Hoffnung. Wie sich das für eine Familie eben so gehört.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.